Was ist gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und wie entsteht sie?

Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF) bedeutet die Abwertung von fremden Gruppen durch Vorurteile. Bei der GMF wird generell von einer Ungleichwertigkeit der Menschen ausgegangen.
Die Bildung von Vorurteilen wird begünstigt von einem geringen Bildungsniveau, mangelnden interkulturellen Kontakten sowie einem niedrigen sozialen Status. Die Vorurteile basieren auf der Ideologie der Ungleichwertigkeit, da bei der Bildung von Vorurteilen davon ausgegangen wird, dass es Menschen gibt, die von Grund auf höherwertig sind als andere. Gleichzeitig legitimieren Vorurteile die Ungleichwertigkeit. Diese Ungleichwertigkeit erlaubt eine Hierarchie, in welcher Fremdgruppen abgewertet werden. Infolgedessen werden Menschen aufgrund zugewiesener oder freiwillig gewählter Merkmale in Gruppen unterteilt. Dadurch wird der Mensch nicht als Individuum sondern als Mitglied der Gruppe betrachtet und auf bestimmte Eigenschaften reduziert.
Menschen, die eine Ablehnung gegenüber einer bestimmten Gruppe haben, tendieren dazu, auch Vorurteile gegen weitere Gruppen zu entwickeln.
Oft wird versucht, durch Abwertung anderer Menschen bzw. Menschengruppen, das eigene Selbstwertgefühl zu steigern. Auf diese Art und Weise wird die eigene Überlegenheit vermittelt.
Menschen, die anders sind, werden dafür bestraft, dass sie von Normen abweichen, welche von der Mehrheitsgesellschaft definiert sind.

Studie zur gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit

Im Bericht „Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit in Hessen (2002 – 2010)" von Sylja Wandschneider (Universität Bielefeld; Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung) sind genauere Zahlen zur Diskriminierung und Ausgrenzung verschiedener Menschengruppen genannt. Die Studie beschäftigt sich mit folgenden zehn Elementen: Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus, Sexismus, Islamophobie, Etabliertenvorrechte, Homophobie, Abwertung von Behinderten, Abwertung von Obdachlosen und Abwertung von Langzeitarbeitslosen. Das Ziel der Studie ist die Analyse des Ausmaßes und die Erklärung für die Entwicklung der GMF.

Wie äußert sich gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit?

GMF zeigt sich nicht nur in Gewalttaten, sondern auch in alltäglichen Situationen. Menschen werden aufgrund ihres Aussehens, ihrer Herkunft oder ihrer Weltanschauung ausgegrenzt und diskriminiert. So fällt es beispielsweise homosexuellen Menschen schwer, sich ihrem Umfeld gegenüber zu „outen", da sie befürchten, nicht länger akzeptiert zu werden.

Warum ist die Theorie der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit aussagekräftiger als die Extremismustheorie?
Die Extremismustheorie basiert darauf, dass es extreme Randgruppen in der Gesellschaft gibt, die eine „extremistische" Weltanschauung vertreten. Dabei werden die politischen Extreme gleichgesetzt und verallgemeinert. Die Theorie der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit hingegen beschäftigt sich auf einer inhaltlichen Ebene mit der Ausgrenzung von Menschengruppen in der gesamten Gesellschaft. Waehrend sich die Extremismustheorie mit den Aktionen und Handlungen, die aus „extremisierten" Meinungen entstehen, beschäftigt, zeigt die Theorie der GMF die Auspraegung der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit auch in der „Mitte der Gesellschaft".

Die Studien und weitere Informationen:

Die Studie der Uni Bielefeld zur gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit

Hintergründe zur Studie der Uni Bielefeld - Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit(GMF)

Theoretische Konzeption und empirische Ergebnisse 2002-2004 -pdf.

Die Ergebnisse der 10-jährigen Langzeitstudie - "Deutsche Zustände - Das entsicherte Jahrzehnt" - pdf.

Die Mitte in der Krise - Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland

Die Mitte in der Krise - Studie 2010 - Friedrich Ebert Stiftung - pdf.

Weitere Studien der Friedrich-Ebert Stifung und weitere Hintergründe zur Studie "Die Mitte in der Krise" sind hier zu finden

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