Neue rechte Propaganda

Auf der Suche nach neuen Möglichkeiten zum Ködern Jugendlicher wurden 2004 auf Schulhöfen im großenAnpassung  ist Feigheit Umfang CDs mit dem Titel "Anpassung ist Feigheit – Lieder aus dem Untergrund" verteilt.

Besagte CD besteht einerseits aus Songs von bekannten Bands der rechten Szene, zum anderen jedoch auch aus einer großen Linksammlung zu den meisten rechten Internetpräsenzen und einer Internetadresse, unter der man weitere Texte finden kann.

Darunter sind Hetztexte und die üblichen Vorurteile wie: „Meist ausländische Banden haben hier das Sagen (an Schulen Anmerkung d. R.)“ und dass die „Schulen schon längst ein Sammelbecken für junge Schwerkriminelle sind“, jedoch so verpackt, dass die rechte Ideologie nicht sofort durchscheint.

Mit Parolen wie „Wir stehen gegen Multikulti“ oder „Wir stehen gegen den unerträglich hohen Zuzug von Fremden in unser Land“ wird ihr rechter Charakter jedoch sehr schnell offensichtlich.

Obwohl früh bekannt wurde, dass eine solche CD geplant war, rechnete niemand mit einer solch konzentrierten Aktion, und die Öffentlichkeit wurde nicht im Voraus darüber informiert. Verwunderlich ist auch, dass nur in Sachsen-Anhalt und Thüringen die Staatsanwaltschaften aktiv geworden sind und wegen der schwer jugendgefährdenden Art der CD diese beschlagnahmt und ihre Verteilung verboten haben. Trotz des Vertriebverbotes wurden sie in unbekannter Stückzahl verteilt.

Bedingt jedoch durch Probleme bei der Produktion und durch Beschlagnahmung durch das Amtsgericht Halle, wurden die CDs wahrscheinlich nicht in der geplanten Auflage von 250.000 Tonträgern verteilt.

Der Verantwortliche Lutz Willert musste sich im Herbst 2005 vor dem Landgericht Stendal verantworten.

Erschreckend an dieser Entwicklung ist, dass die Rechten in so großem Maße den Einfluss der Musik auf Jugendliche für ihre Zwecke missbrauchen können, um ihre Propaganda zu verbreiten. Es zeigt mal wieder, wie wichtig es ist, dass Schulen mehr Aufklärungsarbeit leisten und gute Projektvorschläge verstärkt finanziell unterstützt werden.

[Die Zitate stehen in Anführungszeichen und sind Inhaltlich aus dem ursprünglichen Beitext zur CD entnommen und nur im Satzbau angepasst.]

Ein Erfahrungsbericht und Tipps

In der SV (SchülerInnenvertretung) war uns die „Aktion Schulhof“ schon länger bekannt, bis zu diesem Zeitpunkt hatte sich jedoch noch kein Fascho bei uns blicken lassen. Und eigentlich ist die Anwendung der „Aktion“ bei uns auch gar nicht möglich, da wir keinen Schulhof haben. Trotzdem wagte ein Nazi dieses von vornherein zum Scheitern bestimmte Unterfangen. Der erste Versuch, bei uns Flyer mit rechtsextremer Ideologie zu verteilen, fand in der Pause statt. Ein Nazi war auf das Schulgelände gekommen, um seinen Müll bei uns abzuladen. Daraufhin wurde er unverzüglich von einer Lehrerin des Schulgeländes verwiesen. Wahrscheinlich verängstigt von dieser ersten Erfahrung, kam der Fascho das zweite Mal während der Unterrichtszeit und versuchte, SchülerInnen, die keinen Unterricht hatten, abzupassen. Dies gelang ihm jedoch nicht, da an unserer Schule eine starke Abneigung gegen Faschisten besteht. Eine Lehrerin wurde von Schülerseite verständigt, der Flyerverteiler konnte jedoch nicht gestellt werden, da er vorher die Flucht ergriff.

Auf Grund dieses wiederholten Besuches wollten wir zeigen, dass an unserer Schule Nazis nichts zu suchen haben und hängten ein Transparent mit der Aufschrift „Gegen Aktion Schulhof – Für eine nazifreie Schule“ über dem Haupteingang auf. Seitdem hatten wir keine Probleme mit rechtsextremen Flyerverteilern mehr.

Unser Transparent wurde einige Wochen später wahrscheinlich von denselben abgebrannt, wegen denen wir es aufgehängt hatten. Dies beeindruckte uns jedoch nicht weiter und ein neues Transparent ließ nicht lange auf sich warten.

Wenn ihr Probleme mit Nazis an eurer Schule habt, informiert eure Vertrauenslehrer, eure SV, euren KreisschülerInnenrat oder eure zuständige LandesschülerInnenvertretung. Deren Adressen findet ihr, wenn ihr Landesschülervertretung und euer Bundesland bei Google eingebt. Sie werden euch sicher mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Faschos haben auf Schulhöfen nichts zu suchen!

Update Oktober 2012:

In den letzten Jahren wurde die Schulhof-CD hauptsächlich von der rechtsextremen NPD verbreitet. Hier gab es verschiedene bundesweite und regionale Ausgaben. Die Cds wurden von Rechtsanwälten überprüft und enthalten keine strafbaren Inhalte. Neben Rechtsrock und rechten Balladensängern wurde auch erstmals  rechter Hip-Hop angeboten. Neben Schulhof-CDs der NPD gab es 2010 das Projekt der "Autonomen" Nationalisten mit dem Titel "Jugend in Bewegung - Schüler-CD des nationalen Widerstandes. "Deren CD-Rom-Paket "Jugend in Bewegung" bietet gleich eine ganze Palette rechtsextremer Propaganda - und zwar deutlich härterer Tonart als die NPD-Produkte."*

Weitere Informationen:

Aktion Schulhof 2004 - Die erste Schulhof CD der freien Kameradschaften und ihre Beschlagnahmung - jugendschutz.net

Als Beispiel: Argumente gegen die "Schulhof CD" der NPD von 2005 - FH Düsseldorf - pdf.

Ein weiteres Beispiel: Argumente gegen die "Schulhof CD" der NPD Ausgabe 2009 von "Argumente und Kultur gegen Rechts e.V.

* Netz-gegen-Nazis: "Autonome" Nationalisten machen eigene "Schulhof-CD" - ein ganzes Werbepaket nazistischer Erlebniswelt

 

 

 

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