Petersilie für Millionen – Rechts-Kommerz in den Charts

Die Musik war von je her das beste Mittel, um Leute zu beeinflussen. Schon Odysseus musste sich gegen die einlullenden Gesänge der Sirenen schützen und verstopfte seiner Mannschaft die Ohren mit Petersilie. Einlullende Gesänge gibt es heute immer noch, doch leider hilft Petersilie nicht mehr.

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Denn es gibt neuerdings eine Bewegung neben den Rechtsrock-Faschos und Volksverhetzern - nämlich "Kommerz-Nazis": Bands oder Künstler, die rechts sind, weil es "in" ist. Damals waren das die Böhsen Onkelz, die ihr rechtsextremes Image nie wirklich öffentlich bekämpft haben - verweisen sie doch auf ihrer Page auf die Texte ihrer alten (mittlerweile verbotenen) Lieder hin. Heute ist es beispielsweise der Rapper "Fler", der mit einem Reichsadler und einem an einer Deutschlandflagge angezündeten Molotow-Cocktail auf einen von Falco geklauten Stream textet:

"Leute rennen in den Shop, wollen die Neue Deutsche Welle
Ich bin ein Hip-Hop-Tsunami, weil ich Leute überschwemme
Das ist Schwarz-Rot-Gold, hart und stolz
Man siehts mir nicht an, doch glaub mir, meine Mum ist deutsch
Es macht Klick, Klack, Peng, jetzt schiebt der Deutsche nen cotton
Komm nach Berlin und du siehst wie sich die Leute hier boxen
Das ist normal, das hier ist Multi-Kulti, meine Homies kommen von überall, ihr holt die Bullen“

Und an anderer Stelle textet er:
„Fler sein Album ist draußen
Los geh, geh es kaufen
Er hat es schon, sie will es auch haben
Jeder weiß, dass nur wir es drauf haben“

Und genau darum geht es: Verkaufen, verkaufen, verkaufen. Das rechte Gedankengut wird zur Methode gemacht, um zu provozieren und in die Hitparade zu kommen. Und es hat funktioniert.

Zwar weist Fler alle Rassismus-Vorwürfe von sich: Die Faschos würden „merken, dass ich fast nur Schwarzköpfe als Gast-Rapper habe […] (und) dass man ein stolzer Deutscher und trotzdem mit Ausländern befreundet sein kann“. Die Ideologie der Neuen Rechten: Ausländer sind okay, aber am besten bei sich zu Hause. Sie dürfen uns gerne besuchen kommen, vielleicht etwas singen, aber dann wieder ab damit.

Und auch die Fraktion der „Amnesisten“, also diejenigen, die am liebsten den Holocaust verleugnen und vergessen würden, wird bedient: „Die ganze Nazikacke ist doch durch, die Deutschen sollen aufhören, sich damit herumzuärgern. […] Wirklich, dieses Hitlerding war in der Schule voll anstrengend." Die Taz textete treffend: Fler ist nicht rechts, sondern bescheuert.

„Ihr fragt euch jetzt, wer ist dieser deutsche Junge, der da so rappt mit seiner schwarz-rot-goldenen Zunge,

Ich bin der Gee mit den flotten Jeans in den Socken, jeder von euch weiß, ihr könnt mich nicht wieder stoppen, […]

Ooh, hier kommt die Neue Deutsche Welle, schrei oh mein Gott, der coolste Deutsche, den ich kenne,
Ooh, ich bin jetzt der Star fürs Volk, denn ich komm in den Club und trag Schwarz-Rot-Gold!“

Trotzdem scheint er (oder besser: sein PR-Mann) sich in Geschichte auszukennen, denn sein Werbeslogan „Ab erstem Mai wird zurückgeschossen“ ist dem Hitler-Zitat zum Kriegsbeginn „ab 5:45 Uhr wird zurückgeschossen“ entlehnt und dafür, dass er sich angeblich nicht für Politik interessiert, tauchen in Texten, Videos und auf seiner Page erstaunlich viele Reichsadler und Deutschflaggen auf. Und immerhin bezeichnete Fler Tomkat, einen anderen Rapper als „schwulen Zigeuner, der sich ganz krass mit seiner ganzen Sinti-Sippe in den Arsch ficken soll“.

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Politische Inkorrektheit als PR-Mittel, Nazisprüche als Werbezugpferd, Nationalismus als Verkaufsmasche. Zelebrierte Dumpfheit als Mittel zur voll krassen Deutschmucke. Die deutschen Plattenkäufer auf dem rechten Auge blind machen. Und es funktioniert: Fler mit „Neue Deutsche Welle“ stand auf Platz drei der deutschen Singlecharts. Und auf Platz eins der „treudeutschen“ Charts:

“Ne neue Ära beginnt, das ist wie Volksmusik, die Medien boykottieren mich, doch ich werd vom Volk geliebt,

Ihr habt euch damals nicht getraut, es gab nur Papa Bär, was für ein Kindergarten, heute
regelts Papa Fler
Die Deutschquote ist im Arsch und es ist nichts passiert, dein Radiosender spielt nur Shit, er
spielt nur Britney Spears,
Es gibt nur Ami-Rap weil man da kein Wort versteht und ich werd gnadenlos zensiert, weil
man's sofort versteht
Deutsche Mucke ist das Gift und ihr seid gegen uns weil ich den Längsten hab und weil
ich damit jeden bums
Jetzt kommt die Neue Deutsche Welle und ich will Millionen, und teil es gern mit Crews
wie Juli oder Silbermond[…]
Meine Gnade hat ein Limit, du bist grade am Limit, die Neue Deutsche Welle kommt, man
sieht die Fahne am Himmel[…]
Der Star der Hitlist, wooh, guck, wie es der Deutsche macht, die Nationalhymne kommt
heut mit Schlagzeug und Bass!“

Seit 2006 ist ein neuer Rapper mit rechten Ideologien im Internet aufgetaucht. King Bock brüstet sich mit Schwulenfeindlichkeit und extremen Patriotismus.

In seinen Texten heißt es „Du trägst G-Star Hosen zu nem Schwuchtelhemd/Ich hab was gegen Schwule also lasst mich in Ruhe/Ich bin intolerant und  dennoch alte schule."

Und seine patriotische Einstellung sieht man hier sehr gut: „Du siehst an meinem Grab eine deutsche Fahne/Diese weht bei mir zu Hause auch an stürmischen Tagen/Sie weht bei Wind und Wetter, bei eisernem Wind/Ich blicke zu ihr auf, wenn es mir dreckig geht"

bock_bildEr widerspricht sich in seinen eigenen Texten, spricht von gesundem Nationalstolz, sei aber kein Nazi.

„Ich bin kein Nazi, sondern ein Patriot/Und ich sterbe für Deutschland den Heldentod/

Und mit der Fahne auf dem Sarg und dem Adler im Herzen/wird man mich begraben in der Halle der Helden"

Im gleichen Song heißt es aber dann „Du weist genau, ich bin der mit der Knarre in der Hand/Der stolzeste Deutsche, der Nationalist/Der Typ der kein Gewissen hat und in deine Schnauze pisst."

Auf seiner Homepage steht zum kostenlosen Download ein Bonustrack, ein Demotape und sogar ein komplettes Album zu Verfügung.

In seinem ersten offiziellen Interview windet er sich aus allen Fragen sehr geschickt raus, sodass er weder zustimmt noch dagegen spricht. Ebenso hält er seine Person sehr bedeckt. Das Einzige was man an Persönlichem zu lesen bekommt, ist, dass er in Bielefeld wohnt - wobei es keine konkreten Kontaktdaten gibt.

Hat noch jemand etwas Petersilie?

Zitate:( www.suedkurier.de , www.sueddeutsche.de)
Quellenangabe:( www.bnr.de, www.de.indymedia.org, www.ag-netzwerke.de, www.kingbock.de )

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