Seit einiger Zeit ist ein deutlicher Anstieg an historischen Publikationen in Literatur und Fernsehen zu verzeichnen. Ganze Fernseh-Abende beschäftigen sich mit deutscher Geschichte und etliche Geschichts-Magazine verkürzen unsere Zeit im Wartezimmer der Ärztin. Besonders präsent und stilbildend ist der „Haushistoriker" des ZDF Guido Knopp.

Eine Fragestellung voran: warum scheint es einen größeren Markt für Geschichte zu geben, warum wird kostbare Sendezeit mit Vergangenem gefüllt? Eine Antwort wäre vielleicht eine zunehmende Qualität historischer Vermittlung und Begeisterung an den Schulen. Dass darin nicht die Lösung der Fragestellung zu finden ist, zeigen die zahlreichen Bildungsproteste der vergangenen Monate, die vor allen die Missstände in den gesellschaftlich-wissenschaftlichen Fächern betonen. Es muss also eine etwas anderes sein, dass zur Lösung beiträgt.

 

Fernsehen ist vor allem eins, Unterhaltung. Nicht die bildenden und intellektuellen Filme und Serien erreichen die höchsten Zuschauerzahlen, sondern die Programme, die nach einem anstrengenden Arbeitstag Zerstreuung bringen. Und genau das ist es, was zur Lösung dienen könnte. Also ein deutlicher Wandel in der Darstellung von Geschichte, umgewandelt in eine massentaugliche Belustigung am Abend.
Und genau diesen Part übernimmt Guido Knopp. Kritiker von Knopps Machart sprechen von „Histotainment", eine Mischung aus geschichtlichen Fragmenten, zusammengepuzzelt zu einem spannenden Krimi.

 

Während die Geschichtswissenschaft den Anspruch verfolgt Erklärungen, Ursachen und Zusammenhänge der Vergangenheit zu beleuchten und Analysen zu erstellen, braucht ein Krimi klare Täter, Opfer und eine reißende Geschichte mit einem Spannungsbogen der den Zuschauer bis zum Ende an das Buch oder den Fernseher bindet. Der geschichtliche Aspekt ist in der Konstruktion des „Histotainment" nebensächlich. Zwar sind die ausgesuchten Daten und Quellen vollkommen korrekt wiedergeben, doch wird mit Musik, Geräuschen und visuellen Reizen (zum Beispiel schnelle Schnittfolgen) eine Verzerrung der tatsächlichen Komplexität der eigentlichen geschichtlichen Gegebenheiten vorgenommen, die gefährlich werden kann. Denn jegliche Verzerrung der Geschichte kann dazu führen, dass Verbrechen immer wieder passieren können und eine Lehre für die Zukunft nicht oder nur falsch stattfinden kann.

 

Besonders Zweifelhaft ist diese Art der Geschichtsdarstellung bei Knopps Lieblingsthema, dem „Dritten Reich". Gerade die Thematik des Faschismus, der eine nicht zu unterschätzende, noch immer währende Gefahr darstellt, lässt es nicht zu, verkürzte Geschichts-Krimis darzustellen. Die Ernsthaftigkeit und die eigentlich nötige Reflexion passen aber grundsätzlich nicht in das Konzept einer leichten abendlichen Unterhaltung.
Auffallend ist die Tendenz zur Versöhnung mit der Täter-Generation, die einem Geschichtsrevisionismus zuspielt, der auch immer wieder aus den Reihen der Vertriebenen-Verbände hervorgeht. Knopp arbeitet dabei in seinen Publikationen, wie es die Konzeption eines Krimis entspricht, immer wieder Schwarz-Weiß-Schemata heraus, um ein klares Täter-Opfer-Profil zu erstellen. Knopp konzentriert sich dabei auf die großen Figuren des Faschismus, darunter Hitler, Göring und Goebbels – Die Täter. Die deutsche Gesellschaft steht als betrogene und unschuldige Masse unter der Diktatur dieser Gewaltherrscher, ist somit das Opfer. Es ist vollkommen klar, dass die Geschichte maßgeblich durch führende Figuren der faschistischen Bewegung beeinflusst worden ist. Diese Art der Darstellung erklärt aber in keiner Weise den Faschismus als Massenphänomen, der nur durch eine Mehrheit der Gesellschaft entstehen und bestehen kann.
In einer seiner Sendungen mit dem Namen „Der einsame Held" im ZDF, zum Beispiel ist die einzig wirkliche Aussage zur deutschen Gesellschaft: „Die Mehrheit der Deutschen lässt sich blenden."
Der immer wieder auftretende Einsatz von meist unkommentierten Zeitzeugen-Gesprächen, sorgt für eine zusätzliche Emotionalisierung der Geschehnisse, die die Opferrolle der deutschen Gesellschaft noch verstärkt. Ein richtigeR HistorikerIn kann so etwas nicht im Raume stehen lassen.

 

Knopps Werke sind deswegen gefährlich, weil Geschichte immer unsere Gegenwart bestimmt. Unsere Verhältnisse sind nur durch die geschichtlichen Ereignisse zu erklären und nur durch treffende Analysen der Vergangenheit können wir alte Fehler verhindern und eine bessere und sozialere Gesellschaft aufbauen und leben. Da diese Publikationen viel zu kurz und oberflächlich gefasst sind und, wie im Themen-Fall „Drittes Reich", von eigentlichen Grundproblemen wegführen, nicht zu einer historischen Aufklärung geeignet. Eine wirklich qualitative Verbesserung von geschichtlichen Kenntnissen sollte dann doch lieber durch eine bessere Bildung an unseren Schulen und eine Förderung antifaschistischer Bildungsarbeit erreicht werden.

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