Alte Ideologien in neuen Worten

Die unterschiedlichen Vereinigungen und Strömungen der alten und neuen Rechten arbeiten heute daran, ihre Argumentationsmuster in einer zeitgerechten Verpackung zu präsentieren. Sie bemühen sich, an aktuelle Diskussionen anzuknüpfen und versuchen so, ihre Weltanschauung - oft unbemerkt - möglichst weit zu verbreiten.
„Mit Begriffen wie ‚rechts’ und ‚links‘ sollte man zweckmäßigerweise nicht operieren. Die Fronten laufen längst quer durch die Lager. [...] Verbündeter ist, wer gegen Globalisierung, US-Hegemonie und ‚westliche Werte‘ ist. [...] In der Ablehnung dieser Scheinwerte können sich überzeugte Abendländer, korantreue Moslems und der denkende Teil im Lager der Globalisierungsgegner die Hände reichen.“ Karl Richter, wissenschaftlicher Referent der NPD-Fraktion im sächsischen Landtag.*

Biologie und Schicksal
Die Ideologie der Rechten gründet sich wesentlich auf die falsche Behauptung, „Rassen“ und „Völker“ seien biologisch verankerte Gemeinschaften, zwischen denen grundlegende Unterschiede bestünden. Die Zugehörigkeit zu einer solchen Gemeinschaft wird demzufolge durch Geburt festgelegt und ist folglich unabänderlich, also „Schicksal“. Rechte sprechen daher auch gerne von „Schicksalsgemeinschaften“.
Die Rechten benutzen in diesem Zusammenhang heute nicht mehr das Wort „Rasse“, sondern verwenden stattdessen mit dem gleichen Hintergrund den Begriff „Kultur“.

Kampf und Gewalt
Behauptet wird weiter, diese „Rassen“, „Völker“ oder „Kulturen“ stünden naturgemäß in einem ewigen Kampf gegeneinander. Daraus wird beispielsweise abgeleitet, das „deutsche Volk“ müsse sich gegen „andere Völker“ zur Wehr setzen. Notfalls auch mit Gewalt. Diese Gewalt wird als notwendig, berechtigt und als eine Art vorauseilende „Notwehr“ dargestellt. Mit dieser Definition kann auch Krieg gerechtfertigt werden.

Ordnung und Wert
Unter Bezug auf angebliche wissenschaftliche „Erkenntnisse“ versucht die Rechte immer wieder ihre Behauptung zu rechtfertigen, Menschen seien unterschiedlich viel wert. Die angeblich verschiedenen Eigenschaften der „Rassen“, „Völker“ oder „Kulturen“ gelten als angeboren und somit nicht änderbar. Daraus leiten sie eine Ordnung ab, in der die „Rassen“, „Völker“ und „Kulturen“ ihre vermeintliche Verschiedenheit erhalten sollen und die dafür sorgen soll, dass es zu keinen „Vermischungen“ kommt.
Diese Ideologie wird als Ethnopluralismus bezeichnet. Praktisch würde der Ethnopluralismus eine Apartheitpolitik, also die strikte Trennung und Ungleichbehandlung von „Deutschen“ und „Nicht-Deutschen“, bedeuten. Das ist mit der Forderung nach einem „Recht auf Unterschied“ gemeint. Letztlich könnte damit die Vertreibung aller Einwanderer aus Deutschland gerechtfertigt werden.

Natur und Rang
Rechte Ideologien gehen davon aus, der Mensch sei ein im Wesentlichen durch die „Natur“ bestimmtes Wesen, das seinen „natürlichen Instinkten“ folgen müsse. Jeder Mensch soll innerhalb seiner „Rasse“, seines „Volkes“ oder seiner „Kultur“ seine angeblich biologisch festgelegte Bestimmung erfüllen.
Das bedeutet, auch soziale Ungleichheiten werden auf vermeintlich „natürliche“ Unterschiede zurückgeführt. Innerhalb dieser Ideologie gehört jeder Mensch naturgemäß an einen bestimmten sozialen Platz in einer hierarchischen Rangordnung. Die Durchsetzung des „Rechts des Stärkeren“ wird befürwortet und mit Bedingungen in der Tierwelt gerechtfertigt. Damit wird die Umsetzung von Sozialdarwinismus in soziale Wirklichkeit gerechtfertigt.

Nation und Kapitalismuskritik**
Parolen wie „Volksgemeinschaft statt Klassenkampf“ oder „Sozialismus des eigenen nationalen Weges“ bedeuten die Ausgrenzung und Abwertung aller „Nicht-Deutschen“. Für Rechte gibt es gute und böse Kapitalisten. Als böse Kapitalisten gelten traditionell besonders US-amerikanische und jüdische Kapitalisten. Nationale Kapitalisten, die den angeblichen Interessen des eigenen „Volkes“ dienen, sind gute Kapitalisten.
Die Rechte ist nicht kapitalismuskritisch, sondern nationalistisch. Sie benutzt die vermeintliche Kapitalismuskritik nur, um ihre antisemitische, antiamerikanische, rassistische und nationalistische Propaganda zu verbreiten.

Verdeckte Gefahren
Auch, wenn Rechte nicht offen rassistisch und faschistisch argumentieren, liegen ihren politischen Positionen stets rechte Ideologien zugrunde. Linke Begriffe werden von Rechten benutzt, um sie umzudeuten. Globalisierungskritik wird von der rechten Szene beispielsweise genutzt, um Antiamerikanismus und Nationalismus zu propagieren. So versuchen sie möglichst breite Unterstützung zu erhalten und ihre rechte Ideologie zu verbreiten.

* Zitat aus : Die NPD-Fraktion im Sächsischen Landtag. Strategie und Ideologie, Hg. Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im sächsischen Landtag, Workshop am 24. Mai 2006
** Kapitalismus: Durch den Markt geregeltes gesellschaftliches System, in dem wir leben. Ein zentraler Punkt des Kapitalismus ist das Privateigentum an Produktionsmitteln.

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