Terezín (Theresienstadt) ist heute eine Stadt in Tschechien im mittelböhmischen Gebiet. Im September des Jahres 1938 wird das Sudetenland, das von mehrheitlich deutschstämmigen Menschen besiedelt war,  im Rahmen des Münchener Abkommens ohne jede Mitbestimmung Tschechiens an das Deutsche Reich abgetreten. Nach Beginn des Krieges wird die gesamte Tschechoslowakei durch die Nazis besetzt. Eine zunächst sichere Stätte für Flüchtlinge aus Deutschland wird damit durch die Naziadministration aufgelöst.

Noch heute streiten sich Historiker über die genauen Zusammenhänge und Abläufe der Geschichte. Seit den Vertreibungen der deutschstämmigen Bevölkerung aus der Tschechoslowakei im Rahmen der Befreiung vom Faschismus wird die Debatte in Deutschland von rechtskonservativen Revisionisten und nationalistischen Gruppierungen begleitet. Deshalb ist es wichtig, die Geschichte des Münchener Abkommens, der Naziherrschaft und der späteren Vertreibung der Sudetendeutschen nicht separiert zu betrachten, sondern die genaueren Umstände seit der Auflösung der k. u. k.- Monarchie (Österreich-Ungarn) nach dem Ersten Weltkrieg zu berücksichtigen. Der Nationalitätenstaat Österreich-Ungarn und das Deutsche Reich bildeten zusammen die sogenannten Mittelmächte, die nach langen und noch nie dagewesenen Kämpfen den Ersten Weltkrieg verloren hatten. Im Rahmen der Nationalbewegung der Tschechen (einer der Völkergruppen der k. u. k.- Monarchie), die so schon seit der großen Welle der Nationalströmungen im 19.Jht. in das öffentliche Bewusstsein der Tschechen gelangte, und der 14 Punkte des US-amerikanischen Präsidenten Wilsons, die darauf abzielten, das vormals mächtige Deutsche Reich so nicht weiter existieren zu lassen, gründete sich der tschechische Nationalstaat. Die Grundlage bildeten Wilsons 14 Punkte, die von einer Selbstbestimmung der Völker ausgingen und zur ersten demokratischen Republik der Tschechen führte. Auf dieser Grundlage hätten die deutsch-böhmischen und deutsch-mährischen Gebiete selbständige Provinzen werden können, denen eine Angliederung an Österreich oder Deutschland zugestanden wird. Die Siegermächte des Ersten Weltkrieges wiesen diese Gebiete jedoch dem tschechischen Staat zu, der ohne diese wirtschaftswichtigen Gebiete nicht existieren könne.

Der damalige erste demokratisch gewählte tschechische Präsident Masaryk erklärte dies wie folgt:

"Wir haben diesen Staat erkämpft, und die staatsrechtliche Stellung unserer Deutschen, die einst als Emigranten oder Kolonisten hierher gekommen sind, ist damit ein für allemal festgelegt. Wir haben ein gutes Recht auf die Reichtümer unseres gesamten Landes."

Diese Argumentation liegt in der Habsburger-Herrschaft über die Tschechen begründet. Während die tschechische Bevölkerung Jahrhunderte lang die einfachen Handwerker, kleinen Händler und vor allem die leibeigenen Bauern stellte, bildete der deutschstämmige adelige Teil der Bevölkerung die herrschende feudale Schicht. Der neue Nationalstaat war diesbezüglich mehr als Nationalitätenstaat zu bezeichnen. Es bestand zwar eine demokratische Verfassung, aber eine zentralistische Regierungsgewalt und keine Rechte auf Autonomie der nationalen Minderheiten. Die vormals herrschende deutsche Bevölkerung war somit definitiv zur Minderheit geworden ohne umfassende Rechte.

Neben heftigen Protesten von Deutschen und Österreichern und der Forderung nach einer Veränderung der Verfassung gab es allerdings auch einen großen Zuspruch für eine loyale Zusammenarbeit mit dem tschechischen Staat. Vor allem Deutschstämmige aus Prag haben in diesem kulturellem Zentrum über Jahrzehnte positive Erfahrungen im sozialen Miteinander gemacht, was sich heute in unserer Literatur zeigt; allein Kafka und Rilke würden als Beispiel genügen. So bestand das tschechische Parlament aus über 25% Deutschstämmigen. Diese Gruppe, die auf eine Verständigung abzielte, wurde als "Aktivisten" bezeichnet. Der politische Gegenspieler wurde von den "Negativisten" gebildet, die aus der Deutschen Nationalpartei und der Deutschen Nationalsozialistischen Arbeiterpartei bestanden. Sie bildeten eine sogenannte „Kampfgemeinschaft", die auf die Souveränität der deutschen Bevölkerung abzielte, aber bis in die dreißiger Jahre nie eine wirkliche politische Macht stellten.

Die Gründerjahre des jungen Staates wurden durch gesamteuropäische Wirtschaftskrisen schwer belastet - das Kapital lag auch nach dem Krieg noch weitestgehend in österreichischer Hand -, die aber bewältigt werden konnten und die tschechischen Deutschen ganz im Gegensatz zu den in Deutschland lebenden Deutschen vor großen Kapitalverlusten bewahrte. Dadurch stabilisierte sich die allgemeine Situation. Tschechien unterzeichnete 1925 gemeinsam mit den übrigen alliierten Staaten den Vertrag von Locarno, mit dem die Grenzen Tschechiens gegen gewaltsame Änderungen geschützt, Streitfragen allerdings im internationalen Schiedsverfahren gelöst werden sollten. Weiter ging die Regierung streng gegen revisionistische, antisemitische und faschistische Gruppierungen vor, was zu Konflikten mit deutschen, aber auch tschechischen Nationalisten führte.

Neue Belastungen traten auch in Tschechien durch die Wirtschaftskrise Anfang der dreißiger Jahre auf, in deren Zuge die Agitation der Negativisten deutlich radikaler wurde. Zusätzlich gewannen die Nationalsozialisten 1933 die Macht in Deutschland, was zu einer erneuten Stärkung der extremen deutschen Nationalisten in Tschechien führte. Bei den Wahlen von 1935 konnte die breitgefächerte Gruppierung der Negativisten 44% der Stimmen für sich verzeichnen. Nur durch eine Koalition der Tschechen mit den Aktivisten konnte eine Regierung gegen die radikalen Nationalisten gebildet werden. Doch der Wahlerfolg bannte nun den Blick der Nationalsozialisten in Deutschland auf das tschechische Gebiet, die darin eine neue Chance für ihre Ostpolitik sahen und damit an die "Heim-ins-Reich-Bewegung" bzw. die Politik einer "Ausweitung des Lebensraums  für die arisch-germanische Rasse" anknüpften, wohl aber auch die dortigen Industrie-Gebiete als ein attraktives Objekt für die Nutzung durch Nazi-Deutschland betrachteten. Nach dem "Zwischenfall von Templitz Schönau", bei dem der Führer der Sudetendeutschen Partei (Teil der rechten Kampfgemeinschaft) K.H. Frank in ein Handgemenge mit Polizisten geriet, überschlug sich die Propaganda der Nazis, und die rechten Bewegungen der tschechischen Deutschen folgten nun bedingungslos der Linie der NSDAP. Die Aktivisten versuchten zwar noch, durch Zugeständnisse an die deutsche Bevölkerung die Lage zu beruhigen, doch konnten sie sich bei der Regierung nicht durchsetzen, die fürchtete, dass weitere nationale Minderheiten sich ebenfalls zu Wort melden würden und so der Fortbestand Tschechiens auf dem Spiel stand. Hitler selbst sprach schon damals von einer Zerschlagung des tschechischen Staates als seinem Ziel. Die Politik der Sudetendeutschen unterstand ab dieser Zeit der Kontrolle Berlins.

Nach der Angliederung Österreichs an das deutsche Reich, erklärte Hitler den Kampf gegen die "böhmische Zitadelle". Mit dem Versprechen, keine weiteren territorialen Ansprüche zu stellen, sicherte sich das Reich die Unterstützung von Polen und Ungarn zu und drohte damit, Tschechien bis zum 1.10.1938 mit Krieg zu überziehen. Die Verbündeten Tschechiens ließen den Staat vollkommen im Stich. Russland verkannte die wahren Interessen der nationalsozialistischen Intervention, und die westlichen Mächte, vor allem England, hielten an ihrer sogenannten Appeasement-Politik fest. Diese sah vor, Hitlers aggressive Politik einerseits zu befriedigen, andererseits Hitler einzubinden und für das nächste Jahrzehnt mit seiner Ostpolitik zu beschäftigen, da nach Meinung von Experten das multinationale Tschechien nur schwer zu regieren war. So kam es aus Angst vor einem militärischen Konflikt am 1.Oktober 1938 zum Münchener Abkommen. Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien verhandelten miteinander. Im Ergebnis wurde Deutschland zugestanden, sich alle Teile Tschechiens einzuverleiben, die mehr als 50% Deutschstämmige beheimateten. Durch dieses "Zuvorkommen" musste Hitlers Plan der Zerschlagung des gesamten tschechischen Staates um fünf Monate nach hinten verlegt werden. Die tschechische Regierung wurde bei diesem Abkommen niemals zu Rate gezogen. So stellte das Abkommen für Tschechien ein Diktat dar.

Durch eine geschickte Politik der Nazis wurde der slowakische Teil vom tschechisch-slowakischen Staatenbund getrennt. Wenig später wurde Tschechien durch eine weitere Erpressung - die Drohung, Prag zu bombardieren - ohne Widerstand von der Wehrmacht besetzt. Die Flüchtlinge aus Deutschland, die vorher in Tschechien eine sichere Stätte gefunden hatten, unterstanden nun wieder direkt dem nationalsozialistischen Terror.

Weitere Informationen:

Kurzinfo zum Münchener Abkommen von der Bundeszentrale für politische Bildung

Orginaldokumente zum Münchener Abkommen und den nachfolgenden Zusätzen

Gender

Eine kleine Einführung zu den verschiedenen Geschlechtsidentitäten
als pdf k PDF-downloaden

Frei.Wild

Die Band Frei.Wild bezeichnet sich selbst als nicht politisch. Diese Aussage ist – kritisch betrachtet – jedoch sehr fragwürdig. Phillip Burger, ...weiterlesen

Kritischer Kommentar zum ersten Pegida-Papier

1. für „die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen und politisch oder religiös Verfolgten“ als Menschenpflicht ...weiterlesen

Generation Identitaire

Rechte im Wandel- zwischen sozialem Protest und der Suche nach der Volksgemeinschaft 
...weiterlesen