Nachdem in den 1990er Jahren Bundes- und Landesbehörden einige neonazistische Vereinigungen wie die "Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei" (FAP) und die "Nationale Liste" (NL) verboten hatten, entwickelten Kader der betroffenen Strukturen das Konzept der "Freien Nationalisten". Eine Strategie der „Freien Nationalisten“ ist es sich im sogenannten Hinterland, also in kleinen ländlichen Gemeinden, einzunisten um ein Netzwerk neonazistischer, nationaler Zentren aufzubauen. Teile der Redaktion von Hyperlinks gegen Rechts gehören zum aktiven Widerstand gegen den Versuch ein solches Zentrum in Hoch - Weisel (Wetterau) zu etablieren.

Oberste Maxime der "Freien Nationalisten" ist ein neuer "Nationalsozialismus", da dieser allein das "deutsche Volk und die germanische Rasse" vor der "Überfremdung durch Ausländer" und vor der "Umerziehung durch die One-World-Mafia" schützen könne. Neben Aktionen von lokalen Kameradschaften führen sie zentrale Kampagnen wie gegen die Wehrmachtsausstellung und Rudolf-Heß-Märsche durch. Mittels ihres Aktionismus und ihrer Radikalität gelang es den "Freien Nationalisten", den Großteil der neonazistisch motivierten Jugendszene für sich zu gewinnen. Vor allem das Anbieten von Rechts-Rock-Konzerten führt zu einer engeren Verbindung zwischen rechter Jugendkultur und neonazistischer Politik. Mittlerweile hat sich das Konzept der "Freien Nationalisten" bundesweit in der militanten Neonaziszene durchgesetzt. Darüber hinaus treten sie verstärkt als RednerInnen auf Demonstrationen des rechten Randes auf.

Wir spiegeln hier einen Bericht der AntiFa Wetterau zu den Vorgängen in Hoch - Weisel, den wir nicht besser hätten schreiben können. Wer mehr über die konkrete Arbeit vor Ort und die AntiFa Wetterau erfahren will sollte sich diese http://www.antifa-wetterau.de.vu gut merken.

informationen zu hoch-weisel:
25/05/2005

führende neonazis richten sich in der wetterau ein

vor etwas mehr als einem halben jahr wurde bekannt, dass führende neonazis der gruppe "freie nationalisten rhein-main" ein haus in der friedberger straße 28 in nidderau-heldenbergen bewohnen. nach eigenen angaben hatten sie dort eine "nationale wohngemeinschaft" eingerichtet und planten den aufbau eines "nationalen zentrums".
die ehemalige hofreite bot wohnraum für mehrere personen sowie eine scheune für größere treffen. auf dem gelände wurden wiederholt fahrzeuge und personen aus anderen landkreisen und bundesländern festgestellt. das anwesen war zu einer wichtigen anlaufstelle der neonazis im rhein-main-gebiet geworden. mindestens ein größeres treffen hatte dort stattgefunden: am 17. april, nach einem neonaziaufmarsch im mittelhessischen gladenbach, hatten sich in der scheune über 100 neonazis versammelt, um beim auftritt einer neonaziband den bevorstehenden geburtstag adolf hitlers (20. april) zu feiern. spät in der nacht war die polizei angerückt und hatte das neonazitreffen aufgelöst. einige wochen später führte die polizei in dem anwesen hausdurchsuchungen durch.

umzug nach hoch-weisel (butzbach)
nachdem der öffentliche druck zu groß, und das verhältnis zum vermieter gestört wurde löste sich die "nationale wohngemeinschaft" auf und verschwand zunächst im untergrund.
in einem hof in hoch-weisel bei butzbach tauchten die beiden führenden personen marcel wöll und christian m. nun vor kurzem wieder auf. nach angaben der hessenschau vom 3. mai haben sie sich dort ein grundstück in der langgasse 16 gekauft. dies zeigt, dass die neonazis ihre strategie geändert und an aktuelle vorkommnisse angepasst haben. so umgehen sie zukünftig mietstreits und sind auf dieser ebene nicht mehr angreifbar. sie haben es also geschafft einen neuen "nationalen freiraum" für ihre aktivitäten zu schaffen.

das anwesen als "privatgelände"
die neuen räumlichkeiten der neonazis in hoch-weisel sind "privatgelände", die dortigen treffen werden als "private" treffen und feierlichkeiten deklariert. mit dieser argumentation haben die neonazis das gesetz auf ihrer seite, denn die polizei darf erst eingreifen, wenn eine "außenwirkung" feststellbar ist, z. b. eine lärmbelästigung der nachbarschaft oder verbotene symbole, die für außenstehende sichtbar sind. so sind die handlungmöglichkeiten der polizei stark eingeschränkt, die polizei kann dieses problem demzufolge nicht lösen!
welche ausmaße dies annehmen kann, wurde zuletzt in kirtorf, keine 80km nördlich von butzbach, sichtbar. seit zehn jahren unterhalten neonazis dort ein "privates" anwesen und feiern in einem schallgedämpften nebengebäude partys, auf denen vor über 200 neonazis u.a. zum mord an juden aufgerufen wird. zehn jahre lang wurde in der stadt darüber geschwiegen und jetzt, da sich das anwesen immer mehr zur bundesweiten anlaufstelle entwickelt hat und die polizei ihre machtlosigkeit eingestehen musste, ist kirtorf in bundesweite schlagzeilen geraten. die neonazis hingegen haben sich in diesen zehn jahren im ort fest verankert und ein klima der einschüchterung geschaffen, in dem es nun schwer ist, antifaschistischen widerstand zu entwickeln.

verschweigen und kleinreden bringt gar nichts!
stadtverwaltung und polizei hier in der region scheinen aus diesen negativen erfahrungen nichts gelernt zu haben. nach kirtorf und nidderau bleibt abzuwarten ob auch im falle des hoch-weiseler anwesens jene "hessische linie" verfolgt wird, die einerseits vorsieht, die neonazis durch polizeiliches eingreifen unter druck zu setzen, dies andererseits klein zu reden oder eben gar nicht zum öffentlichen thema werden zu lassen. antifaschisten und antifaschistinnen sollen ferngehalten werden, um die gemeinden nicht in negative schlagzeilen geraten. den neonazis wird somit die äußere ruhe verschafft, die sie zum aufbau ihrer strukturen brauchen. begründet wird diese desinformationspolitik unter anderem damit, dass von den neonazis und ihren treffen keine "außenwirkung" ausgehen würde und demzufolge kein öffentliches interesse bestünde. dies ist eine bewusste irreführung der öffentlichkeit, denn die erfahrung zeigt: je länger die neonazis ohne breiten widerstand freiräume auf- und ausbauen können umso mehr einfluss gewinnen sie auf rechte jugendcliquen, umso stärker verankern sie sich gesellschaftlich, umso mehr "außenwirkung" erreichen sie. wenn die öffentlichkeit darüber nicht rechtzeitig informiert und sensibilisiert wird, nur um zu verhindern, "dass jetzt auch noch die antifa" kommt, dann handeln politik, polizei und medien in hohem maße verantwortungslos.

eine "ruhezone" der neonazis
ein zweites "argument", das von polizei und politik häufig angeführt wird ist, den neonazis keine öffentlichkeit verschaffen zu wollen, die sie als selbstbestätigung wahrnehmen und als werbung missbrauchen können. aus diesem grunde wurde z.b. im polizei- und pressebericht zur auflösung des neonazikonzertes am 17. april in nidderau dessen politischer hintergrund verschwiegen. dem liegt eine offensichtliche und überaus blamable unkenntnis über neonazistische organisierung und strategie zugrunde. die neonazistischen strategien trennen strikt in "aufmarschgebiete" und "ruhezonen". in aufmarschgebieten suchen die neonazis selbst die öffentlichkeit. dort wollen sie sich darstellen, ihre propaganda verbreiten und provozieren. über diese aktionen sollen die medien berichten. in ruhezonen hingegen sollen soziale netzwerke und strukturen aufgebaut, sowie anlaufstellen für kadertreffen, politische schulungsveranstaltungen etc. geschaffen werden. ein öffentliches interesse an diesen räumen wird als störend empfunden und soll vermieden werden. die neonazihäuser erst in nidderau und nun in hoch-weisel sind zweifelsohne ruhezonen. die neonazis verzichten auf öffentliche auftritte im ortsteil, bisher gibt es keine berichte, wonach menschen aus den häusern heraus angepöbelt und angegriffen wurden, in der umgebung sind keine extrem rechten klebezettel und schmierereien zu sehen. dies zeigt: die neonazis wollen gar nicht auffallen. sie wollen ihre ruhe. also muss diese ruhe gestört werden.

die bewohner
ebenso wie in der vergangenheit in nidderau wohnen jetzt in butzbach hoch-weisel marcel wöll (21 jahre alt, aus hattersheim zugezogen), christian m. (23 jahre alt, aus frankfurt) und janine b. (25 jahre alt, marcel wöll's freundin).

die betreffenden personen sind führende personen der militanten neonazigruppe "freie nationalisten rhein-main", sie sind seit ca. drei jahren bundesweit auf neonazistischen aufmärschen unterwegs und haben darüber kontakte in anderen bundesländern aufgebaut. marcel wöll sowie christian m. treten bei überregionalen treffen und aufmärschen als redner in erscheinung.
auch janine bedau ist teil von organisierten strukturen und beteiligt sich ebenfalls auf überregionalen veranstaltungen wie zum beispiel dem rudolf-hess-gedenkmarsch. zur zeit studiert sie geschichts- und gesellschaftswissenschaften an der goethe-universität in frankfurt.
die neonazis sind angelernte kader. dies heißt vor allem, dass sie diszipliniert auftreten. sie verfolgen die strategie, sich als freundliche und dialogbereite "nationale jugendliche" darzustellen und sind geübt in der "argumentation", wonach sie völlig zu unrecht von der polizei und antifa verfolgt würden. in hoch-weisel werden sie sich sicherlich wie bereits in nidderau um ein "gut-nachbarschaftliches verhältnis" bemühen. sie werden auch mal einem älteren menschen über die straße helfen und darauf achten, dass ihre besucher keine hofeinfahrten zuparken. dies ist eine in der neonaziszene sehr beliebte und leicht durchschaubare masche. tatsächlich sind wöll und müller fanatische neonazis, die in der vergangenheit öffentlich ihre sympathien für adolf hitler und bspw. auch für die verbotene neonazigruppierung blood & honour kundtaten. der polizei sind sie einschlägig bekannt: einer der beiden soll beteiligt gewesen sein, als vor zwei jahren in frankfurt ein jugendlicher, der sich von der neonazi-szene trennen wollte, zusammengetreten und schwer verletzt wurde.
glaubt man ihren eigenen angaben, so fühlten sich die neonazis in nidderau recht wohl, bis der öffentliche druck zu groß und die "ruhezone" gestört wurde. daher suchten sie sich ein neues anwesen in hoch-weisel – wohl in der hoffnung hier ungestörter agieren zu können.

daher gilt es die ruhe der nazis zu stören -

es gibt kein ruhiges hinterland!!!

einige aktive antifaschistInnen aus der wetterau und dem rhein/main gebiet

Weitere Informationen:

Butzbacher Bündnis für Demokratie und Toleranz

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